Steckbrief
Von der Sandgrube in Oberschöneweide 1906 bis zur Neugründung als ziviler FDGB-Klub 1966 — sechs Stationen, an denen sich entschied, was Union heute ist.
Eine Sandgrube in Oberschöneweide als Geburtsort
Der Ursprung des Klubs liegt 1906 hinter der Oberschöneweider Schule, wo Balljungen und Excelsior-Freunde den FV Olympia gründen.
Der 1. FC Union Berlin (offiziell: 1. Fußballclub Union Berlin e. V.) ist ein in Berlin-Köpenick ansässiger Fußballverein. Seine Gründungsgeschichte ist kompliziert. In der Luisenstraße, der heutigen Plönzeile versammeln sich 1906 in einer Sandgrube hinter der Oberschöneweider Schule Balljungen und Freunde des lokalen Vereins Excelsior und gründen den Fußballverein Olympia.
Der Verein löst sich nach kurzer Zeit wieder auf, doch formieren einige Fußballenthusiasten aus dem Umfeld in Anlehnung an den benachbarten Lichtenberger S.C.
Frisch Auf bald einen neuen Verein. Excelsior spaltet sich in Preußen und Vorwärts, doch beide Abspaltungen haben nicht lange Bestand.
Gründung im Gasthaus Großkopf, Luisenstraße 17
Am 17. Juni 1906 fusionieren die drei Vorläufervereine zu Olympia Oberschöneweide — Farben Blau-Weiß, Name übernommen vom BTuFC Union 1892.
Letztendlich verbinden sich Mitglieder aller drei Vereine und gründen am 17. Juni 1906 in der Gastwirtschaft „Großkopf“ in der Luisenstraße 17 Olympia Oberschöneweide. Die Mannschaft besteht zunächst fast nur aus Schülern und schließt sich knapp einen Monat später als Jugendmannschaft dem BTuFC Helgoland 1897 an. Der Verein ist wenig erfolgreich, sodass sich die Oberschöneweider bereits ein halbes Jahr später erneut zu einem Wechsel entscheiden.
Diesmal binden sie sich an den Deutschen Fußballmeister von 1905 – den BTuFC Union 1892. Dort spielt das Team zwei Jahre lang – allerdings nur als vierte Mannschaft.
In der Saison 1907/08 kann es mit dem Gewinn der Meisterschaft in der untersten Klasse des Verbands Berliner Ballspielvereine (VBB - der damals führende Fußballverband in Berlin und Brandenburg) den ersten etwas größeren Erfolg verzeichnen. Im Februar 1909 löst sich die Mannschaft vom BTuFC.
Man will auf eigenen Beinen stehen. Aus Verbundenheit und Dank übernimmt man sowohl den Namen (fortan nennt man sich Union Oberschöneweide, etwas später folgt das SC als Präfix) als auch die Vereinsfarben Blau-Weiß.
Drei Aufstiege in fünf Jahren bis in die Berliner Spitze
Ab 1909/10 spielt Oberschöneweide eigenständig im VBB und steigt bis 1914 in die höchste Klasse Berlins und Brandenburgs auf.
Drei Jahre später, in der Saison 1909/10, treten die Berliner erstmals als eigenständiger Verein im Verband Berliner Ballspielvereine (VBB) an. Ziemlich erfolgreich sogar. Nach drei Aufstiegen in fünf Jahren spielt der Klub ab 1914 in der höchsten Klasse von Berlin und Brandenburg. In der neuen Verbandsliga des Verbandes Brandenburgischer Ballspielvereine wird Union 1917 sogar Vizemeister.
1920: Umzug an die Alte Försterei und erster Berliner Titel
Mit dem Wechsel in die Sportanlage Sadowa beginnt Unions Hochphase: Berliner Meister 1920, Endspielteilnahme 1923 gegen den HSV.
Man spielt fast zehn Jahre auf einem Sportplatz in der Oberschöneweider Wattstraße, bis 1920 der Umzug in die Sportanlage Sadowa – das heutige Stadion An der Alten Försterei – In Der Wuhlheide erfolgt. Zur offiziellen Eröffnungsfeier am 7. August 1920 kommt der amtierende Deutsche Meister 1. FC Nürnberg. Im Jahr 1920 wird Union zum ersten Mal Berliner Meister und darf an der Endrunde zur deutschen Meisterschaft teilnehmen.
Man kommt bis ins Viertelfinale und unterliegt dort den Vereinigten Breslauer Sportfreunden knapp mit 2:3. 1923 wird der Verein wieder Berliner Meister und schafft es nach Siegen über Arminia Bielefeld und die Spvgg Fürth bis ins Endspiel um die Meisterschaft.
Im Berliner Grunewaldstadion verliert Union das „Heimspiel“ vor 64.000 Zuschauern mit 0:3 gegen den Hamburger SV. Danach endet die frühe Hochphase von „Union-Ob.“ – wie der Verein damals von seinen Anhängern genannt wird.
Vom Vizetitel 1925 zur DDR-Betriebssportgruppe
Nach Vizemeisterschaft 1925 und Pokalfinale 1926 wird Union zur SG Oberschöneweide, später BSG Motor — der Aufstieg in die DDR-Oberliga gelingt erst 1965/66.
Die Vizemeisterschaft 1925 in Berlin und die Teilnahme am Endspiel um den Berliner Pokal 1926 sind die einzigen weiteren wesentlichen Erfolge. Fortan dominieren Klubs wie Hertha BSC oder Tennis Borussia Berlin den Berliner Fußball. Nach dem Zweiten Weltkrieg existiert der Verein zunächst als kommunale Sportgruppe SG Oberschöneweide weiter.
1948 erfolgt die Umwandlung in SG Union Oberschöneweide.
Und der Verein hat Erfolg. Er qualifiziert sich 1949 für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, darf jedoch nicht nach Kiel zum Spiel gegen den HSV reisen.
Daraufhin siedelt fast die gesamte erste Mannschaft nach West-Berlin um und verlässt Union. Der Verein ändert in der DDR seinen Namen in BSG Motor Oberschöneweide und wird als Betriebssportgruppe in das VEB Transformatorenwerk Karl Liebknecht eingegliedert.
Bis 1962 spielt der Verein überwiegend in der dritten Liga der DDR.
Erst zur Saison 1965/66 gelingt der Aufstieg in die DDR-Oberliga.
Wie Herbert Warnke und der FDGB Union 1966 neu gründeten
Auf Druck des FDGB-Vorsitzenden Herbert Warnke entsteht für die Berliner Werktätigen ein ziviler Fußballklub.
Hierbei profitiert der Verein von der Politik. Der Vorsitzende des Bundesverbands des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB), Herbert Warnke, fordert für die Berliner Werktätigen einen zivilen Fußballklub einzurichten. Und hat Erfolg. Am 20. Januar 1966 wird der „1. FC Union Berlin“ neu gegründet.
FCU — Financial Stability Score
Union ist das krasseste Beispiel für Minsky in der Bundesliga: Ein Kult-Club hat sich in der CL-Euphorie 2023-24 übernommen. 55 Mio für einen CL-Kader ausgegeben, sportlich gescheitert (Abstiegskampf), und jetzt sitzt Union auf 79,3% Verbindlichkeiten bei 2,1% EK-Quote. Der Stadionausbau ist langfristig richtig, aber kurzfristig ein weiterer Bilanzbelaster.