Akte 1. FC Union Berlin
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05 Momente

Special Moments — Pokalsieger! Doch dann kommt das Verbot

Am 9. Juni 1968 schlägt Union als krasser Außenseiter Meister Carl Zeiss Jena im FDGB-Pokalfinale 2:1. Tore von Uentz und Quest, Torhüter Ignaczak hält den Vorsprung. Der Europacup-Auftritt wird durch den Prager Frühling und einen Boykott der UEFA-Auslosung verhindert.

Unvergessliche Momente

9. Juni 1968 in Halle: 13.000 Zuschauer sehen die DDR-Sensation

Im Kurt-Wabbel-Stadion trifft Tabellenachter Union auf Meister Jena — mit 14 Punkten Rückstand aus der Saison.

Am 9. Juni 1968 ereignet sich im Kurt-Wabbel-Stadion von Halle eine der größten Sensationen des DDR-Fußballs. 13.000 Zuschauer sind Zeuge, als der frischgebackene Meister FC Carl Zeiss Jena eine Woche nach dem Saisonende im 17. FDGB-Pokalfinale als haushoher Favorit auf den Underdog aus Köpenick, den 1. FC Union Berlin trifft. Die Berliner sind in der Meisterschaft mit 14 Zählern Rückstand auf Jena auf Rang acht eingelaufen.

Im Saisonverlauf bezwingt Jena die Unioner zu Hause mit 3:0. In Berlin gibt es eine Nulldiät.

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Jenas Double-Chance gegen Unions erstes Pokalfinale

Carl Zeiss Jena kann als erste DDR-Mannschaft Meister und Pokalsieger einer Saison werden — Union steht erstmals im Endspiel.

Fast alles spricht für Jena, für die es bereits die dritte Finalteilnahme im FDGB-Pokal ist. Wenig spricht für die Unioner, die ihr erstes FDGB-Endspiel bestreiten. Der FC Carl Zeiss ist besonders motiviert, kann er doch als erste Mannschaft der DDR das Double holen und in einer Saison Meister und Pokalsieger werden.

„Der Ehrgeiz unseres Partners, erstmalig das Double erreichen zu wollen, erleichtert unsere Aufgabe nicht“, wird Union-Trainer Werner Schwenzfeier in der „Neuen Fußballwoche“ zitiert.

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Jenas Familien warten auf Usedom — die Mannschaft auch

Zwei Stunden nach dem Abpfiff soll der Bus nach Kölpinsee rollen, wo die Angehörigen seit Tagen Urlaub machen.

Doch vielleicht nehmen die Thüringer das letzte Saisonspiel doch nicht sonderlich ernst. Schließlich reist die Mannschaft schon zwei Stunden nach dem Abpfiff direkt nach Kölpinsee auf die Ostsee-Insel Usedom weiter, wo die Familienangehörigen seit Tagen versammelt sind. Eine Verlängerung oder gar eine Niederlage ist nicht eingeplant.

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Schlusspfiff in Halle: Union schlägt Jena 2:1

Buschner gibt zu, dass das frühe 1:0 nach 30 Sekunden Gift für seine Mannschaft gewesen sei.

Doch als Schiedsrichter Rudi Glöckner das Finale abpfeift, reißen die Spieler des Underdogs aus Köpenick die Arme hoch. Hochverdient bezwingen sie den Goliath aus Jena mit 2:1 (1:1). „Das Pokalfinale war leider unser schlechtestes Spiel in dieser Saison.

Die Favoritenrolle haben wir nicht vertragen“, erklärt Zeiss-Trainer Georg Buschner.

„Hinzu kam das Blitztor für uns nach 30 Sekunden. So kurios es klingen mag, es war Gift für unsere Mannschaft.“

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28
von 100

FCU — Financial Stability Score

RisikoPK-Quote 47,7% — vernünftig fü…
Platz 17 der Bundesliga · Liga-Ø 58

Union ist das krasseste Beispiel für Minsky in der Bundesliga: Ein Kult-Club hat sich in der CL-Euphorie 2023-24 übernommen. 55 Mio für einen CL-Kader ausgegeben, sportlich gescheitert (Abstiegskampf), und jetzt sitzt Union auf 79,3% Verbindlichkeiten bei 2,1% EK-Quote. Der Stadionausbau ist langfristig richtig, aber kurzfristig ein weiterer Bilanzbelaster.

Dramatische Wendepunkte

Reinhard Lauck — drei Wochen vorher noch Cottbus-Spieler

Werner Krauß bringt Jena nach 30 Sekunden in Führung, dann sorgt Unions Aufstellung für Verblüffung.

Das 1:0 von Werner Krauß ist fast die einzige Szene, die für den Meister planmäßig verläuft. Union überrascht allein schon mit der Aufstellung des jungen Defensivspielers Reinhard Lauck, der 21 Tage zuvor am letzten Spieltag der DDR-Liga noch für Energie Cottbus bei Vorwärts Stralsund (1:1) kickt. Im Viertelfinale im Frühjahr 1968 ist Lauck sogar noch gegen Union im Einsatz.

1:1 heißt es in Cottbus.

Das Wiederholungsspiel gewinnen die Eisernen mit 1:0. Lauck ist eigentlich ein Neuzugang für die Saison 1968/69. Dass er schon im Finale der vorhergehenden Spielzeit mitwirkt, gehört zu den Kuriositäten des DDR-Fußballs.

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Uentz' Handelfmeter zum 1:1 weckt den Außenseiter

Nach 29 Minuten gleicht Meinhard Uentz vom Punkt aus — und Union spielt befreit auf.

Im Endspiel macht der relativ schnelle Handelfmeter-Ausgleich durch Meinhard Uentz nach 29 Minuten dem Außenseiter Mut, der selbst im Falle einer Niederlage für den Europa-Pokal qualifiziert ist. „Von der spielerischen Leistung unserer Elf war der FC Carl Zeiss Jena sichtlich überrascht“, erzählt Union-Kapitän Ulrich Prüfke später der „Neuen Fußballwoche“. Sein Trainer Werner Schwenzfeier geht noch weiter: „Wir beherrschten den Meister schon vor der Pause mit den besseren spielerischen Mitteln, nach dem Wechsel blieben wir durch unsere typischen Konterschläge immer gefährlich.“

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Ralf Quest köpft das 2:1 — Ignaczak hält es fest

In der 63. Minute fällt der Siegtreffer, mehr als 1.000 Unioner reisen mit Sonderzug und Autos an.

Ralf Quest gelingt nach 63 Minuten der Treffer zum 2:1. Hinten lässt Torhüter Rainer Ignaczak fortan keinen weiteren Gegentreffer mehr zu. Die mehr als 1.000 Union-Fans, die mit Autos und einem Sonderzug angereist sind, schwenken begeistert ihre Fahnen. Auch die Zeitungen würdigen die Sensation.

„Krönender Abschluss einer erfolgreichen Saison“, lautet die Schlagzeile der „Berliner Zeitung“.

„Kein Traum: Union ist Pokalsieger“, steht auf der Seite 1 der Beilage zum „Berliner Fußball“ der „Neuen Fußballwoche.“

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Empfang im Roten Rathaus und ein Bus mit Vereinsschriftzug

Oberbürgermeister Herbert Fechner überreicht Meißner-Porzellan-Plaketten — vor dem Rathaus wartet eine Überraschung.

Oberbürgermeister Herbert Fechner überreicht den Spielern einen Tag nach dem Finale im Roten Rathaus jeweils eine Plakette aus Meißner Porzellan mit der Abbildung des Roten Rathauses. „Wir trugen uns ins ‚Goldene‘ Buch der Stadt ein. Dann hat uns der Oberbürgermeister ans Fenster gebeten“, erinnert sich der damalige 2. Clubsekretär Günter Mielis.

„Vor dem Roten Rathaus erwartete uns ein neuer Reisebus.

In großen Lettern leuchtete uns der Schriftzug 1. FC Union Berlin entgegen.“

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FK Bor zugelost — dann beendet der Prager Frühling alles

Am 10. Juli 1968 wird Union dem jugoslawischen FK Bor zugelost, sechs Wochen später marschieren Warschauer-Pakt-Truppen in die CSSR ein.

Im Europacup spielt Union dennoch nicht, obwohl den Köpenickern am 10. Juli 1968 in Genf für die 1. Runde des Pokalsieger-Wettbewerbes der jugoslawische Vertreter FK Bor zugelost wird. Die dunklen Wolken ziehen in der Nacht zum 21. August 1968 auf. Rund 500.000 Soldaten aus der Sowjetunion, Polen, Ungarn und Bulgarien rücken in die reformwillige CSSR ein.

Der „Prager Frühling“ wird mit Waffengewalt beendet.

Anfang September 1968 erreicht die politische Krise auch die UEFA.

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Mailand, Zürich und Celtic verweigern den Anstoß

Westliche Vereine wollen nicht gegen Lewski Sofia, Dynamo Kiew und Ferencváros antreten — die UEFA lost neu aus.

Der AC Mailand, FC Zürich und Celtic Glasgow weigern sich, wegen des Einmarsches der Truppen des Warschauer Paktes in Prag gegen die ihnen zunächst zugelosten sozialistischen Vertreter Lewski Sofia, Dynamo Kiew und Ferencváros Budapest im Landesmeister-Cup anzutreten. Das Dringlichkeits-Komitee der UEFA sieht sich deshalb sowohl im Landesmeister- als auch im Pokalsieger-Wettbewerb zu einer Reihe von (satzungswidrigen) Neuauslosungen veranlasst.

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Dynamo Moskau statt FK Bor — Union zieht zurück

Die Neuauslosung paart Union mit Dynamo Moskau, Jena mit Roter Stern Belgrad. DDR und Verbündete protestieren vergeblich.

In der ersten Runde sollen ost- und westeuropäische Vereine unter sich bleiben. Meister Jena behält sein Los Roter Stern Belgrad, Pokalsieger Union soll es nun mit Dynamo Moskau zu tun bekommen. Nun protestieren neben dem Deutschen Fußball Verband (DFV) der DDR auch die Fußball-Verbände der UdSSR, Ungarns, Polens, Bulgariens und Frankreichs gegen die Neuauslosung.

Da die UEFA bei einer weiteren Abstimmung am 9. September 1968 bei ihren veränderten Ansetzungen bleibt, droht das Präsidium des DFV der DDR am 13. September 1968 in einem Telegramm mit dem Rückzug von Jena und Union.

Da eine weitere Reaktion der UEFA ausbleibt, ist der Boykott der DDR-Vertreter perfekt. Auch die Vereine aus der Sowjetunion, Ungarn, Polen und Bulgarien treten nicht mit ihren Meistern und Pokalsiegern an.

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Bis 2019 der einzige Nachkriegstitel von Union

Präsident Heiner Bertram nennt 1968 vor dem DFB-Pokalfinale 2001 die einzig positive Ausnahme der Vereinsgeschichte.

Der Sieg gegen Jena bleibt trotz dieses wunden Punktes speziell. Die Bedeutung des Triumphes ist umso höher einzuschätzen, als es bis zum Jahr 2019 der einzige nationale Titel ist, den Union Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg gewinnt. In den Tagen vor dem DFB-Pokalfinale 2001 zwischen Schalke 04 und Union (2:0) sagt der damalige Union-Präsident Heiner Bertram, dass beim Blick in die Union-Vergangenheit das Jahr 1968 die „einzig positive Ausnahme“ sei.

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Und niemals vergessen: Die Helden von 68

40-Jahre-Plakate, Ehrenmitgliedschaft 2016, Choreographie 2018 über vier Heimbereiche, Dampferfahrt auf der Spree.

Auch die jüngeren Fans, die die Sensation von Halle nur vom Hörensagen kennen, wissen die Leistungen „ihrer“ FDGB-Pokalsieger zu würdigen. 2008 hängen sie zum 40-jährigen Jubiläum des Erfolges im Bahntunnel neben der früheren Geschäftsstelle in der Hämmerlingstraße Plakate mit Fotos von allen Pokalsiegern auf. Sie sind jeweils mit der Bildunterschrift „Und niemals vergessen: Die Helden von 68“ versehen.

Bei der Mitgliederversammlung 2016 im Berliner Velodrom werden die Pokalsieger zu Ehrenmitgliedern ernannt.

2018, im Jahr des 50-Jährigen Jubiläums des Triumphes, wird über Wochen an die Helden erinnert. Beim Heimspiel gegen den VfL Bochum (3:1) am 6. Mai 2018 gibt es eine Choreographie zu bestaunen, die über alle vier Heimbereiche reicht und riesige Porträts aller in der Pokalsaison eingesetzten Akteure zeigt.

Am 9. Juni 2018, dem 50. Jahrestag, unternehmen die noch lebenden Pokalrecken mit weiteren verdienstvollen Spielern und Ehrenmitgliedern des Vereins eine Dampferfahrt auf der Spree.

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Denkmal für Prüfke und Quest an der Alten Försterei

Am 1. Juli 2018 enthüllt Union zum Testspiel gegen Jena (1:1) ein Denkmal vor der Haupttribüne — Idee der Szene Köpenick.

Der Sieg gegen den haushohen Favoriten Jena ist bis heute ein prägender Moment für den Verein. Underdog schlägt Top-Team. Nutze Deine Chance, auch wenn Du eigentlich gar keine hast.

Quäl Dich, du Sau! (Udo Bölts zu Jan Ullrich).

Diese Sportsprüche – auch wenn sie nicht von Union stammen – passen und sind prägend für Gefühl und Einstellung des Vereins. Folgerichtig wird am am 1. Juli 2018 beim Testspiel von Union Berlin gegen den FC Carl Zeiss Jena (1:1) auf dem Platz vor der Haupttribüne im Stadion An der Alten Försterei ein Denkmal für die Pokalsieger eingeweiht, das den damaligen Kapitän Ulrich Prüfe und Siegtorschütze Ralph Quest mit der Siegertrophäe zeigt.

Die Idee dazu kommt von den Fans der “Szene Köpenick“.

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Auferstanden aus Ruinen — und 1968 bleibt der Bezugspunkt

Ende 2019 ist Union erstklassig — und der FDGB-Pokalsieg 1968 weiterhin der Very Special Moment.

Auferstanden aus Ruinen und Unkaputtbar – das ist Union Berlin am Ende des Jahres 2019. Und der Sieg im FDGB-Pokal im Jahr 1968 ist bis heute ein „Very Special Moment“ des Vereins.

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On This Week — Bundesliga 18.–24. Mai

Drei Geschichten aus dieser Woche in der Bundesliga. Eine ist wahr. Findest du sie?

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Häufige Fragen

Was sind die unvergesslichsten Momente von Union?
1. FC Union Berlin hat Momente erlebt, die für immer in der Vereinsgeschichte verankert sind — dramatisch, emotional und einzigartig.
Welche Spiele waren bei Union besonders denkwürdig?
Die denkwürdigsten Partien und ihre Geschichten werden im Special-Moments-Kapitel erzählt.
Was macht die Special Moments von Union besonders?
Jeder Moment erzählt eine Geschichte über den Charakter und die Seele von 1. FC Union Berlin.
Was behandelt Special Moments?
Das Kapitel rekonstruiert den FDGB-Pokalsieg 1968: Unions 2:1-Finalsieg in Halle gegen Meister Carl Zeiss Jena, die Tore von Uentz und Quest, den durch den Prager Frühling vereitelten Europacup-Auftritt sowie das 2018 an der Alten Försterei eingeweihte Denkmal für Prüfke und Quest.
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