Akte 1. FC Union Berlin
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„Eisern Union“: Ein Schlachtruf aus den Schmieden Oberschöneweides

Der Ruf ist fast 100 Jahre alt und stammt aus der Arbeiterschaft der Industriebetriebe rund um das Kraftwerk Oberspree.

Wie kaum ein anderer Verein aus der ehemaligen DDR pflegt Union das Image eines ,,Arbeiterklubs“ – mit einer liebenswert-schrulligen Aura und etwas Ostalgie. Der Schlachtruf der Union Berlin Fans lautet ebenso wie der Titel der von Nina Hagen gesungenen Vereinshymne „Eisern Union“. Das ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist, dass der Schlachtruf bereits knapp 100 Jahre alt ist und aus den 1920-er oder 1930-er Jahren stammt. Viele Fans und Spieler des Mitvorgängervereins SC Union Oberschöneweide arbeiten nach dem Ersten Weltkrieg in Industriebetrieben im Berliner Ortsteil Oberschöneweide. Oberschöneweide ist seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts ein industrielles Ballungsgebiet aus bis zu 25 Großbetrieben und einer Vielzahl von kleinen Betrieben, Werkstätten und Labors – überwiegend aus der Elektroindustrie, der Metallindustrie und dem Maschinenbau. Das Kraftwerk Oberspree ist das erste außerhalb Berlins gelegene Großkraftwerk und das erste Drehstromkraftwerk im Deutschen Reich. Ein Vorreiter der heutigen Stromerzeugung, denn zum ersten Mal wird dort elektrische Energie in ein Versorgungsnetz eingespeist und weiterverteilt.

Während des Ersten Weltkriegs wird Oberschöneweide ein wichtiges Zentrum der Rüstungsindustrie. Durch die hohe Anzahl von Arbeitern entwickelt sich der Stadtteil zu einem Zentrum der Arbeiterklasse. Die Arbeiten in den industriellen Großbetrieben sind in der Regel körperlich extrem schwer und anstrengend und verlangen einen eisernen Willen sowie Durchhaltevermögen zum Überleben. Da bietet sich ein martialisch-metallischer Schlachtruf, der das Industrieflair widerspiegelt, zur Unterstützung des lokalen Fußballvereins an. Zumal Union wohl auch schon zur damaligen Zeit einen besonders athletischen Fußballstil pflegt – das Gegenteil von Schalker Kreisel oder Wiener Schule. Urban legend has it, dass der „Schlachruf“ das erste Mal in einem Spiel gegen Hertha BSC erklungen ist, als ein Remis gegen deutlich überlegenen Herthaner zu kippen droht. Anderen Quellen zufolge geht der Ruf auf die Bezeichnung „Schlosserjungs“ zurück. So werden die Unioner aufgrund ihrer damaligen blauen Spielkleidung und ihrer Herkunft aus der Arbeiterschaft vor dem Jahr 1933 genannt.

Am 18.01.2015 spielen Union Berlin (Ost) und SC Union Berlin (West) im Poststadion in Berlin-Moabit. Foto: Imago Images
Am 18.01.2015 spielen Union Berlin (Ost) und SC Union Berlin (West) im Poststadion in Berlin-Moabit. Foto: Imago Images