Tragisch
Reinhard Lauck – Der Alkohol:Der berühmteste Wanderer zwischen den Welten Union und BFC Dynamo ist der ehemalige DDR- Nationalverteidiger Reinhard Lauck. 1974, beim sensationellen 1:0 der DDR über den späteren Weltmeister BR Deutschland, degradiert Lauck Wolfgang Overath und Günter Netzer zu Statisten. Zwei Jahre später wird er in Montreal Olympiasieger. 21 Jahre später stirbt Lauck an den Folgen seiner Alkoholsucht. Seine Tragödie erzählt Alexander Osang in seiner „Ick bin doch Mäcki, kennste ma nich?“-Reportage auf eindringliche Art.
Günter „Jimmy“ Hoge – Angepasst ist anders:Günter „Jimmy“ Hoge ist der erste DDR-Nationalspieler von Union Berlin. Von 1958 – 1962 spielt er für den ASK Vorwärts Berlin, danach zieht es ihn von 1962 – 1964 zu BSG Motor Köpenick und von 1964 – 1966 zum TSC Berlin. Von 1966 – 1970 bestreitet er 77 Pflichtspiele für den 1. FC Union Berlin, schießt fünf Tore für die Köpenicker und wird zum Publikumsliebling. Hoge beendet seine fußballerische Karriere von 1970 – 1973 bei BSG Motor Hennigsdorf und ab 1973 bei IHB Berlin und Motor Friedrichshain. Der 169 Zentimeter kleine Stürmer spielt zwischen 1961 und 1968 sechsmal für die Nationalmannschaft der DDR. Das erste Länderspiel mit der DDR-Nationalmannschaft bestreitet er als Linksaußen am 21. Juni 1961 im Freundschaftsspiel DDR – Marokko (1:2). Nach dem folgenden Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiel DDR gegen Ungarn, welches die DDR mit 3:2 verliert, verschwindet Hoge für sechs Jahre aus dem Kader - trotz seiner allseits geschätzten sportlichen Leistungen. Vor allem in puncto Ballsicherheit, Dribbelstärke und Schnelligkeit ist Hoge einer der besten DDR-Spieler der 60-er Jahre. Doch „Jimmy“ ist auch ein eigenwilliger, unangepasster Typ, der bei Trainern und Funktionären aneckt und regelmäßig in Ungnade fällt. Im Juli 1962 wird er so zum - eine Klasse tiefer spielenden - DDR-Ligisten BSG Motor Köpenick „degradiert“. Seine erfolgreichste Phase erlebt er bei Union Berlin. Als Unioner schafft es Hoge zurück ins Nationalteam und bestreitet bis zu seinem letzten Länderspiel am 2. Februar 1968 gegen die Tschechoslowakei vier Spiele für die DDR-Auswahl. Exzellente Leistungen auf einer Südamerika-Reise der DDR-Mannschaft bringen ihm von der lokalen Presse den Spitznamen „motorneto“ („kleines Motorrad“) ein. Hoge ist Teil der Union-Mannschaft, die 1968 den FDGB-Pokal holt. Nach dem Triumph im Pokal scheint es, als ob sich die Karriere von Jimmy mit knapp 28 Jahren endlich in Richtung „DDR-Superstar“ entwickelt, da ist sie auch schon jäh vorbei. Aufgrund sogenannter „disziplinarischer Verfehlungen“ (z.B. Fahrens ohne Führerschein) wird Hoge vom DDR-Fußballverband „für die Zeit vom 17. Oktober 1968 bis 31. Mai 1969 für jeglichen Spiel- und Sportverkehr gesperrt“. Im offiziellen Beschluss heißt es, dass Hoge „wiederholt unter Alkoholeinfluss gestanden habe“ und „seine Mannschaftskameraden gröblichst beleidigt hätte“. In offiziellem „DDR-Sprech“ formuliert der DFV, Hoge sei nicht in der Lage, „sein Verhalten im Rahmen des Kollektivs und im üblichen Leben unserer Gesellschaft zu verankern“.
In der Saison 1969/70 hat es dennoch den Anschein, als habe Hoge die Sperre nicht weiter geschadet. Er gehört jedenfalls weiterhin zur ersten Mannschaft von Union und schafft mit dem Team den Aufstieg in die Oberliga. Doch im Sommer 1970 kommt es zum endgültigen Aus. Hoge erhält Berufsverbot - wegen des Singens eines Liedes – eines ganz speziellen Liedes. Das Team von Union fährt zum Abschluss der Saison an die Ostsee. „Feierbiest“ Hoge trifft sich dort in einer Gaststätte mit seinem ehemaligen Trainer Schwenzfeier und stimmt alkoholisiert bei der Fernsehübertragung eines Länderspiels der BRD-Nationalmannschaft das Deutschlandlied an. Der Vorfall wird der Staatssicherheit gemeldet. Die reagiert gereizt und sorgt dafür, dass der DDR-Fußballverband den damals fast 30-jährigen Spieler aus dem Spielbetrieb verbannt: Sechs Jahre Sperre für die Oberliga (höchste Spielklasse der DDR), zwei Jahre Sperre für die DDR-Liga (zweithöchste Spielklasse der DDR) und ein Jahr Sperre für die Bezirksliga (dritthöchste Klasse im DDR-Fußball). Die Fußballerkarriere von „Jimmy“ Hoge, der noch zwei Jahre zuvor Nationalspieler gewesen ist, ist vorbei. Jedenfalls die auf Top-Level. Auch nach der Wende ergeht es Jimmy nicht besonders gut. Mit Geld kann er eher schlecht umgehen, mit den Profimechanismen der neuen Zeit auch. Immer wieder unterstützen ihn alte Weggefährten und versuchen ihm Halt zu geben. Doch das gelingt nur mäßig. Seit 2003 ist Hoge Ehrenmitglied des 1. FC Union Berlin. Mit 77 Jahren stirbt Hoge an den Folgen einer Krebserkrankung. Unter anderen Umständen hätte Günter „Jimmy“ Hoge ein ganz Großer des deutschen Fußballs werden können. Das Talent hatte er jedenfalls.
Im Jahr 2019, nach dem Heimspiel gegen Sandhausen, wurde ein 19-jähriger Union-Anhänger auf einem Parkplatz in Prenzlauer Berg tödlich mit einem Messer verletzt. Der Verein und die Fans zeigten sich tief erschüttert. Die Tat überschattete die Aufstiegseuphorie und erinnerte daran, dass Gewalt rund um den Fußball auch im 21. Jahrhundert eine traurige Realität bleibt.

