Personae Non Gratae
Erich Mielke – Die dunkle Seite der Macht: Als Anhänger und Unterstützer des BFC Dynamo ist Erich Mielke den Union-Fans nicht nur aus sportlicher Sicht ein Greul. Der seit jeher als absolutes Feindbild geltende BFC ist nicht nur DDR-Serienmeister, sondern auch Lieblingsverein des Stasi-Chefs, der für all das steht, wogegen Union-Fans sich wenden. Die Berliner Ideologieverächter stehen im Gegenzug für alles, wogegen Mielke sich sträubt. Die gegenseitige Abneigung ist nicht nur sportlich, sondern primär persönlich und ideologisch.
Nico „Patsche“ Patschinski – Der Spieler: Der Ost-Berliner verbringt seine Jugend beim BFC Dynamo und bei Union Berlin, bevor er 1994 in die Profimannschaft Unions aufsteigt. Als Stürmer mit guter Torquote gehört er stets zu den Lieblingen des Vereins und kehrt nach Stationen bei St. Pauli und Eintracht Trier 2006 in die alte Heimat zurück. Das Ende der Zusammenarbeit ist wenig friedlich. „Patsche“ erhält im März 2009 die fristlose Kündigung aufgrund eines „zerrütteten Vertrauensverhältnisses“. Der Stürmer hat sich mehrfach mit dem Vorstand überworfen, der am Ende die Reißleine zieht. „Ohne Vertrauen, das sich aus gemeinsamen Werten speist, ist eine Zusammenarbeit nicht länger möglich", sagt Union-Präsident Dirk Zingler. Es folgt eine Klage vor dem Arbeitsgericht, in der Patschinski Recht und 130.000 Euro Abfindung erhält. Union legt keine Berufung ein, Ruhe im Verein ist dem „klammen“ Verein noch wichtiger als das Geld.
Der unbekannte Whistleblower – Der Verräter: Im Juni 1993 gewinnt Union Berlin mit 2:1 gegen Tennis Borussia Berlin und leitet damit den sportlichen Aufstieg in die 2. Bundesliga ein – fast. Die „Eisernen“ planen nach einem 1:0-Sieg gegen Bischofswerda im Siegestaumel bereits ihre Zukunft als Profifußballmannschaft, als die „Bombe“ platzt. Ein Mitarbeiter von Unions Hauptsponsor steckt wenige Tage nach dem Aufstieg TeBe-Präsident Jack White (Horst Nußbaum), dem Schöpfer von besonders populärer Zwei-Ton Musik a la „Schöne Maid“ oder „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, dass der 1. FC Union im Lizenzantrag beim Deutschen Fußball-Bund eine gefälschte Bankbürgschaft vorgelegt hat. White gibt die Information sofort an den DFB weiter, der Verband entzieht Union die Lizenz und verweigert den Aufstieg. Die „Eisernen“ sprechen von einer West-Berliner Intrige, doch der DFB lässt sich nicht erweichen. Tennis Borussia nimmt Unions Platz ein und wirbt den „Ossis“ auch noch die Spieler Pieckenhagen und Henschel ab. Der Urheber der gefälschten Bankbürgschaft ist bis heute unbekannt – zumindest der Öffentlichkeit.
In der Vergangenheit galt der Journalist Matthias Wolf, der über die Stasi-Vergangenheit des ehemaligen Union-Präsidenten Dirk Zingler berichtete, beim Verein als Persona non grata. Union sprach ein Zusammenarbeitsverbot aus – ein ungewöhnlicher Schritt, der in der Pressefreiheits-Debatte kontrovers diskutiert wurde.

