Die Union Prognose

Akte Union Berlin

Verraten vom Klassenfeind, gedisst vom Klassenfreund. Dossier, Match Intelligence und Prediction Markets — alles zu Union Berlin.

↗ aktebundesliga.net Die ganze Bundesliga
FC Union Berlin
Foto: Imago Images
Teil 1
Die Akte
Triumphe, Tragödien, Erfolge und Peinlichkeiten — das komplette Club-Dossier in 12 Kapiteln.
PrologSteckbriefGood to KnowHaterLoverMIPsPNGTragischOMGFun FactsSpecialWeise Worte
Bald
Teil 2
Intelligence
KI-gestützte Match-Analyse, Teamdaten, Verletzungen und Head-to-Head-Statistiken.
KaderNächstes SpielStatistikenForm
Bald
Teil 3
Predictions
Prediction Markets, Portfolio-Management und Risiko-Analyse mit Kelly Criterion.
Directional AlphaArbitragePortfolioRisk Tools

Prolog

Was diese Seite ist — und warum

„AKTE UNION" richtet sich an Lover und Hater der Eisernen. Geschichte wird Legende, Legende wird Mythos. Und aus Mythos wird Kult. Oder Grund zum „ewigen" Fremdschämen — je nach Ereignis mal so oder eher so.

Verraten vom „Klassenfeind", gedisst vom „Klassenfreund". Union Berlin ist der Verein, der die DDR überlebte, die Wende überlebte und 2019 endlich in der Bundesliga ankam — um dann gleich Europa zu erobern. Die Alte Försterei in Köpenick ist Kult, die Fans bauten ihr Stadion mit eigenen Händen, und der Aufstieg vom Ost-Berliner Außenseiter zum Conference-League-Teilnehmer ist eine der großen Geschichten des deutschen Fußballs.

Aber diese Seite geht über das reine Feiern oder Hassen hinaus. Akte Union ist in drei Teilen aufgebaut: Das Club-Dossier erzählt die Geschichte — Triumphe, Tragödien, Skandale, Helden und Versager in 12 Kapiteln. Die Match Intelligence liefert die laufenden Daten, die ein Profi braucht: Kader, Statistiken, Head-to-Head, Verletzungen, Form. Und die Predictions bringen alles zusammen — mit Prediction Markets.

Prediction Markets sind kein Wetten. Bei klassischen Sportwetten verliert die Masse — das Geld geht an den Buchmacher, der seine Marge eingebaut hat. Bei Wettbörsen ist es ähnlich: Provisionen auf Gewinne, Liquiditätsengpässe und Spread fressen die Rendite. Prediction Markets funktionieren fundamental anders. Es gibt keinen Buchmacher, der das Haus gewinnen lässt. Stattdessen fließt Geld von denen, die nicht wissen, zu denen, die es richtig machen — mit Risiko-Management, Portfolio-Diversifikation und diszipliniertem Kapital-Einsatz. Man kann 24/7 handeln, Positionen aufbauen und abbauen, und wartet auf die binäre Auflösung des Events. Wer es versteht, betreibt keine Spekulation, sondern systematisches Trading.

Akte Union ist Teil von Akte Bundesliga — dem gleichen Konzept für alle 18 Bundesliga-Vereine. Jeder Verein bekommt sein eigenes Dossier, seine eigene Intelligence, seine eigenen Predictions. Das große Ganze findest du unter aktebundesliga.net.

Steckbrief

Daten, Fakten und Ereignisse

Steckbrief – Daten, Fakten und Ereignisse

Der 1. FC Union Berlin (offiziell: 1. Fußballclub Union Berlin e. V.) ist ein in Berlin-Köpenick ansässiger Fußballverein. Seine Gründungsgeschichte ist kompliziert. In der Luisenstraße, der heutigen Plönzeile versammeln sich 1906 in einer Sandgrube hinter der Oberschöneweider Schule Balljungen und Freunde des lokalen Vereins Excelsior und gründen den Fußballverein Olympia. Der Verein löst sich nach kurzer Zeit wieder auf, doch formieren einige Fußballenthusiasten aus dem Umfeld in Anlehnung an den benachbarten Lichtenberger S.C. Frisch Auf bald einen neuen Verein. Excelsior spaltet sich in Preußen und Vorwärts, doch beide Abspaltungen haben nicht lange Bestand.

Letztendlich verbinden sich Mitglieder aller drei Vereine und gründen am 17. Juni 1906 in der Gastwirtschaft „Großkopf“ in der Luisenstraße 17 Olympia Oberschöneweide. Die Mannschaft besteht zunächst fast nur aus Schülern und schließt sich knapp einen Monat später als Jugendmannschaft dem BTuFC Helgoland 1897 an. Der Verein ist wenig erfolgreich, sodass sich die Oberschöneweider bereits ein halbes Jahr später erneut zu einem Wechsel entscheiden. Diesmal binden sie sich an den Deutschen Fußballmeister von 1905 – den BTuFC Union 1892. Dort spielt das Team zwei Jahre lang – allerdings nur als vierte Mannschaft. In der Saison 1907/08 kann es mit dem Gewinn der Meisterschaft in der untersten Klasse des Verbands Berliner Ballspielvereine (VBB - der damals führende Fußballverband in Berlin und Brandenburg) den ersten etwas größeren Erfolg verzeichnen. Im Februar 1909 löst sich die Mannschaft vom BTuFC. Man will auf eigenen Beinen stehen. Aus Verbundenheit und Dank übernimmt man sowohl den Namen (fortan nennt man sich Union Oberschöneweide, etwas später folgt das SC als Präfix) als auch die Vereinsfarben Blau-Weiß.

Drei Jahre später, in der Saison 1909/10, treten die Berliner erstmals als eigenständiger Verein im Verband Berliner Ballspielvereine (VBB) an. Ziemlich erfolgreich sogar. Nach drei Aufstiegen in fünf Jahren spielt der Klub ab 1914 in der höchsten Klasse von Berlin und Brandenburg. In der neuen Verbandsliga des Verbandes Brandenburgischer Ballspielvereine wird Union 1917 sogar Vizemeister.

Man spielt fast zehn Jahre auf einem Sportplatz in der Oberschöneweider Wattstraße, bis 1920 der Umzug in die Sportanlage Sadowa – das heutige Stadion An der Alten Försterei – In der Wuhlheide erfolgt. Zur offiziellen Eröffnungsfeier am 7. August 1920 kommt der amtierende Deutsche Meister 1. FC Nürnberg. Im Jahr 1920 wird Union zum ersten Mal Berliner Meister und darf an der Endrunde zur deutschen Meisterschaft teilnehmen. Man kommt bis ins Viertelfinale und unterliegt dort den Vereinigten Breslauer Sportfreunden knapp mit 2:3. 1923 wird der Verein wieder Berliner Meister und schafft es nach Siegen über Arminia Bielefeld und die Spvgg Fürth bis ins Endspiel um die Meisterschaft. Im Berliner Grunewaldstadion verliert Union das „Heimspiel“ vor 64.000 Zuschauern mit 0:3 gegen den Hamburger SV. Danach endet die frühe Hochphase von „Union-Ob.“ – wie der Verein damals von seinen Anhängern genannt wird.

FC Union Berlin
Abb.1.14.1 Union Berlin ist Kult in Berlin und Ostdeutschland. Choreographie vor der zweiten Halbzeit des DFB-Pokalspeils gegen den BVB am 26.10.2016. Foto: Imago Images/Eibner Foto: Imago Images

Die Vizemeisterschaft 1925 in Berlin und die Teilnahme am Endspiel um den Berliner Pokal 1926 sind die einzigen weiteren wesentlichen Erfolge. Fortan dominieren Klubs wie Hertha BSC oder Tennis Borussia Berlin den Berliner Fußball. Nach dem Zweiten Weltkrieg existiert der Verein zunächst als kommunale Sportgruppe SG Oberschöneweide weiter. 1948 erfolgt die Umwandlung in SG Union Oberschöneweide. Und der Verein hat Erfolg. Er qualifiziert sich 1949 für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, darf jedoch nicht nach Kiel zum Spiel gegen den HSV reisen. Daraufhin siedelt fast die gesamte erste Mannschaft nach West-Berlin um und verlässt Union. Der Verein ändert in der DDR seinen Namen in BSG Motor Oberschöneweide und wird als Betriebssportgruppe in das VEB Transformatorenwerk Karl Liebknecht eingegliedert. Bis 1962 spielt der Verein überwiegend in der dritten Liga der DDR. Erst zur Saison 1965/66 gelingt der Aufstieg in die DDR-Oberliga.

Hierbei profitiert der Verein von der Politik. Der Vorsitzende des Bundesverbands des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB), Herbert Warnke, fordert für die Berliner Werktätigen einen zivilen Fußballklub einzurichten. Und hat Erfolg. Am 20. Januar 1966 wird der „1. FC Union Berlin“ neu gegründet.

Good to Know

Was wenige wissen

„Eisern Union“ gibt es schon ziemlich lange: Union Berlin genießt über die Fußballszene und die Stadtgrenzen Berlins hinaus Kultstatus. Wie kaum ein anderer Verein aus der ehemaligen DDR pflegt Union das Image eines ,,Arbeiterklubs“ – mit einer liebenswert-schrulligen Aura und etwas Ostalgie. Der Schlachtruf der Union Berlin Fans lautet ebenso wie der Titel der von Nina Hagen gesungenen Vereinshymne „Eisern Union“. Das ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist, dass der Schlachtruf bereits knapp 100 Jahre alt ist und aus den 1920-er oder 1930-er Jahren stammt. Viele Fans und Spieler des Mitvorgängervereins SC Union Oberschöneweide arbeiten nach dem Ersten Weltkrieg in Industriebetrieben im Berliner Ortsteil Oberschöneweide. Dies ist seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts ein industrielles Ballungsgebiet aus bis zu 25 Großbetrieben und einer Vielzahl von kleinen Betrieben, Werkstätten und Labors – überwiegend aus der Elektroindustrie, der Metallindustrie und dem Maschinenbau. Das Kraftwerk Oberspree ist das erste außerhalb Berlins gelegene Großkraftwerk und das erste Drehstromkraftwerk im Deutschen Reich. Ein Vorreiter der heutigen Stromerzeugung, denn zum ersten Mal wird dort elektrische Energie in ein Versorgungsnetz eingespeist und weiterverteilt. Während des Ersten Weltkriegs wird Oberschöneweide ein wichtiges Zentrum der Rüstungsindustrie. Durch die hohe Anzahl von Arbeitern entwickelt sich der Stadtteil zu einem Zentrum der Arbeiterklasse. Die Arbeiten in den industriellen Großbetrieben sind in der Regel körperlich extrem schwer und anstrengend und verlangen einen eisernen Willen sowie Durchhaltevermögen zum Überleben. Da bietet sich ein martialisch-metallischer Schlachtruf, der das Industrieflair widerspiegelt, zur Unterstützung des lokalen Fußballvereins an. Zumal Union wohl auch schon zur damaligen Zeit einen besonders athletischen Fußballstil pflegt – das Gegenteil von Schalker Kreisel oder Wiener Schule. Urban legend has it, dass der „Schlachruf“ das erste Mal in einem Spiel gegen Hertha BSC erklungen ist, als ein Remis gegen deutlich überlegenen Herthaner zu kippen droht. Anderen Quellen zufolge geht der Ruf auf die Bezeichnung „Schlosserjungs“ zurück. So werden die Unioner aufgrund ihrer damaligen blauen Spielkleidung und ihrer Herkunft aus der Arbeiterschaft vor dem Jahr 1933 genannt.

Parteiferne Proleten, Hippies, Hools und sonstige „Ideologiefremde“ singen anarchische Lieder: Während der DDR-Zeit strömen parteiferne Proleten, Hippies, Hools und sonstige „Ideologiefremde“ zu Union. Der Verein ist ein Gegenentwurf zu den beiden anderen Berliner Vereinen – dem BFC Dynamo Berlin und dem zunächst den DDR-Fußball dominierenden und später nach Frankfurt/O. wegdelegierten ASK Vorwärts Berlin (seit 1966 FC Vorwärts). Union Fans singen Lieder wie: „Lieber ein Verlierer sein, als ein dummes Stasi-Schwein.“ Das ist auch im Westen der BR Deutschland bekannt. Was weniger bekannt ist? Die anarchische Mischung aus Underdog-Feeling und Renitenz gegenüber jeder Form von staatlicher Obrigkeit prägt die Unioner Fanszene noch heute. Ein klassischer Union-Choral, der in den frühen 2000-er Jahren entsteht und heute noch gerne gesungen wird, dokumentiert dieses: „Der Vater im Zuchthaus gestorben / Die Mutter liegt todkrank im Bett / Die Schwester zur Hure geworden / Was soll ich allein auf dieser Welt / Union, Union über alles / Deutschlands unsterblichstes Team / Denn Union wird niemals zerfallen / Eisern Union aus Berlin.“

Union vs. BFC Dynamo, Tennis Borussia und Hertha BSC: Die Fanszene von Union Berlin pflegt(e) innerhalb Berlins erbitterte und wohlbekannte Rivalitäten, insbesondere zum ,,Stasi-Klub“ BFC Dynamo und in den 90-er Jahren zum ,,Klassenfeind“ Tennis Borussia Berlin aus Charlottenburg. Weniger bekannt sind einzelne Details der Feindschaft und ein ganz besonderes Verhältnis zu einem dritten Klub – der Berliner Hertha. Für viele alteingesessene Union-Fans steht der Hauptfeind heute noch nach wie vor im Osten. Auch wenn sich der BFC Dynamo und Union Berlin schon lange nicht mehr auf Augenhöhe begegnen. Dynamo kickt in der Saison 2019/20 in der Regionalliga und Union in der Bundesliga. Das ist zu DDR-Zeiten ganz anders und der BFC Dynamo „schreddert“ die Köpenicker regelmäßig. Was wenige heute noch wissen. Es gibt zwischen Dynamos und Union von 1976 bis 1989 keine Heimspiele. Denn aus „Sicherheitsgründen“ finden alle Ortsderbys im Stadion der Weltjugend in der Stadtmitte auf neutralem Boden statt. Ausnahme ist das Pokal-Viertelfinale Union – BFC im Dezember 1988. Doch auch das hilft den Köpenickern wenig. Sie verlieren mit 0:2 vor 20.000 Fans in der Alten Försterei.

Nach der Wende kommt Tennis Borussia als neues Hassobjekt dazu: Die Köpenicker pflegen mit dem einst von Showmaster Hans Rosenthal und Schlagerproduzent Jack White geführten bzw. unterstützten Klub aus Charlottenburg eine unversöhnliche Feindschaft. Was wenige wissen: Für eine besondere Provokation sorgt einer der schillerndsten TeBe-Spieler überhaupt: Ansgar Brinkmann. Der ehemalige Osnabrücker wagt sich beim ersten Relegationsspiel im Mai 2000 zwischen Union und dem VfL Osnabrück ins Stadion Alte Försterei, wird angefeindet und bekommt Prügel angedroht. ,,Wat will der hier, wir sind n Arbeiterverein“, ist noch die harmloseste Bekundung gegen ,,Trinkmann.“

Hat man in der Stadt Fußballfeinde, so bedarf es auch einiger Freunde: Ziemlich unbekannt ist, dass zu Mauerzeiten die Fans von Hertha BSC und Union Berlin größere Sympathien füreinander hegen. Und drücken das als Berliner Landratten mit Wasseranschluss – die einen ganz im Westen, die anderen ganz im Osten der Stadt - wie folgt aus: „Wir halten zusammen wie der Wind und das Meer – die blau-weiße Hertha und der FC Union.“ Urban legend has it, dass der Hertha-Kult-Fan Pepe Mager sogar eigene Aufnäher näht, die die Freundschaft beider Teams während der Mauerzeit dokumentieren. Mittlerweile hat sich die Sympathie von Hertha- und Union-Fans in Antipathie verwandelt. Grund? Das Platzhirschsyndrom, die Highlander-Attitude! There can be only one! Tennis Borussia und der BFC Dynamo sind schon lange keine Gegner auf Augenhöhe mehr für Union Berlin. Eher fußballerische Opfer. Doch Hertha BSC stellt sich als der perfekte Gegenentwurf zu den „Eisernen“ dar. Extrem unterschiedlich geben sich die beiden Berliner Bundesligisten. Hertha BSC mit Lars Windhorst als Investor und dem im Februar 2020 ad hoc wieder aus Berlin geflüchteten Jürgen Klinsmann im Aufsichtsrat (und für 76 Tage auch als Trainer…) möchte unbedingt als Metropolenklub und Nummer 1 der Hauptstadtvereine des größten Landes in der Europäischen Union gesehen werden. Union stellt sich als ambitionierter Kiezklub aus dem Osten mit Herz, Wärme und Gefühl dar. Mit Erfolg: Hertha hat per November 2019 zwar mehr Mitglieder (37.000), aber nicht so viele Fans im Osten der Stadt (dafür einige mehr in Brandenburg). Union wächst deutlich schneller und hat mit mehr als 32.000 Mitgliedern nur noch ca. 15 % weniger Mitglieder als Hertha BSC. Dazu entwickelt der Verein ein Kultpotenzial ähnlich dem des FC St. Pauli – auf ganz eigene Art und nicht nur begrenzt auf den Osten der BR Deutschland. Union steht eher für eine Art neues-altes Berlin, während Hertha BSC immer wieder mit dem ganz alten West-Berlin (Sie verlassen den funktionierenden Sektor Deutschlands) assoziiert wird. Mit unsinnigen Geldausgaben, unterdurchschnittlichen Managementfähigkeiten und einer unangebrachten Hybris – eben genau das, was Jürgen Klinsmann 2019/2020 auf 22 Seiten „Tagebuch“ festgehalten hat, nachdem er bei Hertha BSC hingeworfen hat…

FC Union Berlin
Abb.1.14.2 Fanblock von Union Berlin im Jahr 1976. Foto: Imago Images/ Werner Schulze

Was außerhalb von Berlin auch nur wenige wissen: Es gibt nicht nur ein Union Berlin, sondern zwei. Und maßgeblich beteiligt ist unter anderem die Hertha-Ikone Johannes Sobek. Der Grund ist wieder mal ideologisch. (Wir haben es schon kurz erwähnt, aber nun ausführlicher.). Im Jahr 1949 akzeptiert der Deutsche Sportausschuss (DS), der Sportdachverband der Sowjetischen Besatzungszone, die geplante Einführung des Vertragsspielerstatuts des 1949 neugegründeten West-Berliner Fußballverband für die Stadtliga nicht und zieht unter anderem Union zur Folgesaison aus der Stadtliga ab. Die Oberschöneweider spielen aus Protest und Ärger die restlichen Saisonheimspiele der laufenden Saison im Moabiter Poststadion. Das Team wird von Hertha-Ikone Johannes Sobek trainiert und kann sich als Tabellenzweiter für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft qualifizieren. Die politische Führung im Osten verbietet jedoch die Reise nach Kiel zum Spiel gegen den HSV. Daraufhin macht fast die komplette erste Mannschaft „rüber“ in den Westen. Und tritt gegen den HSV an! Zwei Wochen später, am 9. Juni 1950, gründen sie den SC Union 06 Berlin im Stadtteil Moabit in West-Berlin. Der „Zwilling“ aus Moabit ist in den ersten Jahren nach der Gründung deutlich erfolgreicher als die Ur-Unioner in Oberschöneweide. Erst Ende der 50-er und Anfang der 60-er Jahre kann sich der Klub nicht mehr in der Spitze des Westberliner Fußballs halten und schwindet zum reinen Amateur-Verein.Apropos: Im März 1952 kommt es vor 20.000 Zuschauern im Walter-Ulbricht-Stadion zum „Bruderduell“. Die nun unter BSG Motor Oberschöneweide firmierenden „Ost-Unioner“ verlieren gegen die „West-Unioner“ mit 0:2.

Für die Hater

Peinliche Katastrophen und große Niederlagen

Höchste Pflichtspiel-Niederlage: Die höchste Pflichtspiel-Niederlage des 1. FC Union Berlin nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 setzt es am 7. Oktober 2002 in der 2. Bundesliga – 0:7 beim 1. FC Köln.

2:8 in Zwickau: Ein 2:8 aus Sicht des FCU gibt es in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga 1992 beim alten DDR-Oberliga-Rivalen FSV Zwickau.

0:5 gegen Werder Bremen: Im DFB-Pokal demütigt der spätere Finalist Werder Bremen ,,die Eisernen“ am 2. August 2009 mit 5:0 an der Alten Försterei.

Prügel vom Stasi-Klub: Seit dem Aufstieg der ,,Eisernen“ im Jahr 1966 gibt es in der DDR-Oberliga regelmäßig Prügel für die Köpenicker vom BFC Dynamo. In der Saison 1979/80 verhauen die Dynamos Union mit 6:0, 1986/87 gar mit 8:1. In den FDGB-Pokal-Achtelfinals 1978/79 geht Union sowohl im Hinspiel (1:8) als auch im Rückspiel (1:7) unter.

Die Unaufsteigbaren: Union Berlin in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga – ein unlösbares Rätsel! Ab 1992 verpassen die Unioner den Aufstieg ins deutsche ,,Fußball-Unterhaus“ regelmäßig. Sind es 1992 noch fünf Niederlagen in sechs Spielen gegen den VfL Wolfsburg, den FC Berlin (so heißt der BFC zwischenzeitlich) und den FSV Zwickau, bei einem Torverhältnis von Minus 15, so wird den Köpenickern 1993 die Lizenz zur 2. Liga verweigert. Dramatische Züge nimmt das Ganze im Sommer 2000 an. In einem Elfmeter-Krimi im Relegationsrückspiel beim VfL Osnabrück (7:8) und in der anschließenden Dreier-Runde mit LR Ahlen und dem SC Pfullendorf bleibt der Traum von der 2. Liga wieder unerfüllt.

FC Union Berlin
Abb.1.14.4 Misserfolge sind selten geworden in Berlin-Köpenick, Peinlichkeiten auch. Foto: Imago Images/ Sportfoto Rudel

Die Aua-Premiere: Endlich Bundesliga, endlich mit Union Berlin! Die Euphorie kennt am 19. August 2019 in Berlin kaum Grenzen – doch nach einer guten halben Stunde ist es damit schon wieder vorbei. Gegner RB Leipzig zeigt Union mit zwei frühen Toren, wie Bundesliga geht, und gewinnt am Ende mit 4:0. Es gibt sicherlich bessere Premieren…

Die aus Sicht der Union-Hater erfreulichste Saison liefern ,,Die Eisernen“ 2003/04 in der 2. Bundesliga ab. Selbst mit Trainerlegende Aleksandar Ristic, der Ende März Mirko Votava beerbt, bekommt Union so richtig auf den Ritterhelm – und setzt einige Negativ-Marken.

Schlechteste Platzierung in der Abschluss-Tabelle: Rang 17 ist in der 2. Bundesliga 2003/04 das schlechteste Abschlussergebnis des 1. FC Union Berlin in der 1. oder 2. Bundesliga.

Wenigste erzielte Punkte: 2003/04 holen die Unioner in der 2. Liga nur 33 Punkte. Schlechter sind sie nach der Wende und außerhalb der 2. Bundesliga nur 2004/05, mit 27 Punkten in der Regionalliga NORD. Somit steigt Union zum zweiten Mal in Folge ab.

Für die Lover

Wichtige Triumphe und große Erfolge

Die größten Erfolge im 21. Jahrhundert (Stand: Dezember 2019) gelingen Union Berlin mit dem Aufstieg in die Fußball-Bundesliga 2019 und dem Erreichen des DFB-Pokalendspiels 2001 in der eigenen Stadt.

Die Relegation 2019: Mit dem Erfolg in den Relegationsspielen 2019 gegen den 16. der Fußball-Bundesliga, dem VfB Stuttgart, erreicht Union Berlin erstmals die deutsche Eliteliga und lässt an der Wuhlheide alle Dämme brechen. Bemerkenswert: Die Bundesliga erreicht der Verein im Mai 2019 mit drei Remis in Folge. Erst holt die Mannschaft von Urs Fischer in Bochum einen 0:2-Rückstand auf. Das 2:2 führt sie in die Relegationsspiele gegen den VfB Stuttgart. Mit einem 2:2 in Stuttgart und einem 0:0 in Berlin machen ,,die Eisernen“ den Wunschtraum ihrer Fans wahr – und steigen auf.

Das Jahr 2001: 2001 ist das bis zu diesem Zeitpunkt größte Jahr für den 1. FC Union Berlin. Erstmals steigt der Klub in die 2. Bundesliga auf und erreicht noch als Drittligist das DFB-Pokalfinale in der eigenen Stadt gegen den FC Schalke 04. Trotz des 0:2 gegen die Königsblauen darf Union als Pokalfinalist endlich auch im Europapokal ran.

UEFA-Cup: Im UEFA-Pokal bezwingt die Mannschaft von Georgi Wassilew den finnischen Klub Haka Valkeakoski mit 3:0 im Rückspiel. Das Hinspiel in der finnischen Kleinstadt endet mit 1:1. Das Rückspiel am 27. September 2001 hat eine besondere Note, es muss im Jahn-Stadion des Erzrivalen BFC Dynamo ausgetragen werden, da die Alte Försterei nicht für internationale Spiele zugelassen ist.

Intercup-Sieger 1985: Weitere internationale Erfolge sind dünn gesät. Am bemerkenswertesten - 1985 wird Union in einer Gruppe mit Bayer Uerdingen, Standard Lüttich und Lausanne Sports Intercup-Sieger.

FC Union Berlin
Abb.1.14.5 Der erste große Erfolg von Union Berlin im 21. Jahrhundert. Pokalfinale 2001 gegen Schalke 04. Foto: Imago Images/ Kicker/Liedel

Favoriten-Falle Wuhlheide: Dafür entpuppt sich die Alte Försterei national schnell als Favoriten-Falle. In der Saison 2000/01 lernt ganz Fußball-Deutschland die Köpenicker Fußball-Kultstätte kennen, die bislang praktisch nur Kennern des Ost-Fußballs bzw. Berlin-Experten ein Begriff ist. Das ändert sich in den DFB-Pokalspielen dieser für Union so denkwürdigen Saison. In dem engen Stadion, wo die Ergebnisanzeige noch von Hand umgestellt und der Rasen nach Schneefall beim Halbfinale eher an einen brandenburgischen Acker erinnert als an ein wettbewerbsfähiges Fußballfeld, reiht der Berufs-Außenseiter einen Sieg an den nächsten. Absoluter Höhepunkt der Pokal-Serie mit fünf Heimerfolgen am Stück ist die Halbfinal-Begegnung gegen Borussia Mönchengladbach. Mit 6:4 nach Elfmeterschießen gelingt Union Berlin am 6. Februar 2001 der Final-Einzug!

Derby-Siege gegen Hertha: Union Berlin und der große West-Nachbar Hertha BSC stehen sich erst im November 2019 in der Bundesliga gegenüber. Union gewinnt durch ein spätes Tor mit 1:0. In der 2. Bundesliga gibt es zwischen 2010 und 2013 insgesamt nur vier Ost-West-Derbys, von denen die Köpenicker und Hertha BSC je ein Spiel gewinnen können. Am 5. Februar 2011 triumphieren die Unioner mit 2:1 im Olympiastadion vor 74.244 Zuschauern. John Jairo Mosquera und Torsten ,,Tusche“ Mattuschka werden mit ihren Toren zu Derby-Helden.

Der erste Sieg in der Bundesliga: Als am 31.08.2019 der große BVB in Wuhlheide kommt, sind die Rollen klar verteilt. Die Dortmunder wollen Meister werden, die Unioner haben noch kein Spiel in der Bundesliga gewonnen. Doch das Spiel entwickelt sich nicht so wie vermutet. Union geht in der 22. Minute durch Marius Bülter in Führung, der BVB gleicht in der 25. Minute durch Paco Alcacer aus. Mit 1:1 geht es in die Pause, aus der die Berliner aggressiver und besser herauskommen. Wieder Bülter in der 50. Minute und Sebastian Andersson in der 75. Minute treffen gegen die Schwarz-Gelben und sorgen für den ersten Sieg von Union Berlin in der Bundesliga.

Union trickst Buschner aus: Ein zu DDR-Zeiten als sensationell eingestufter 2:1-Erfolg gegen den FC Carl Zeiss Jena im FDGB-Pokalfinale 1968 bringt Union Berlin seinen einzigen nationalen Titel. Union-Trainer Werner ,,Schwenne“ Schwenzfeier überlistet Jena mit dem späteren DDR-Nationalcoach Georg Buschner, in dem er den 21-jährigen Rookie Reinhard ,,Mäcki“ Lauck aus dem Hut zaubert. Lauck ist selbst ganz überrascht von seiner Nominierung: ,,Der Schwenzfeier ist wohl verrückt geworden!“ Nicht ganz. Es ist eine Aufstellung, die den Favoriten überrascht – Union gewinnt durch Tore von Meinhard Uentz und Ralf Quest mit 2:1. ,,Mäcki“ Lauck holt 1976 mit der DDR die Fußball-Goldmedaille in Montreal. Mehr zum ganz speziellen Union-Moment und zum Drama, das auf den Sieg im FDGB-Pokal folgt, im Special Moment zu Union Berlin einige Seiten weiter.

Most Important Persons

Diese Typen prägen den Verein

Uwe Neuhaus

Der Aufstiegstrainer:Uwe Neuhaus ist per Dezember 2019 Unions Rekordtrainer. Sieben Jahre lang, von 2007 bis 2014, sitzt der 1959 geborene „Wessi“ bei Union an der Seitenlinie. Länger ist (Stand: Dezember 2019) kein Chefcoach in der 53-jährigen Vereinsgeschichte am Stück im Amt. Er führt Union auch …

Frank Pagelsdorf

Der erfolgreiche Dicke:Zwei Jahre lang lenkt der Hannoveraner die Geschicke bei Union Berlin. Zur Spielzeit 1992/93 wird das Schwergewicht als Cheftrainer bei den späteren „Unaufsteigbaren“ verpflichtet, die zu dem Zeitpunkt in der NOFV-Oberliga Mitte zuhause sind. Für die Fans scheint der Zweitliga…

Torsten Mattuschka

Der Edeltechniker:Absoluter Publikumsliebling und Identifikationsfigur des Vereins. Für ihn stimmen die Union-Fans das „Torsten Mattuschka“-Lied an, sobald es einen Freistoß oder Elfmeter für Union gibt. 299 Mal streift sich der gebürtige Cottbusser das rot-weiße Trikot über und versenkt das Leder 7…

Dirk Zingler

Der pfiffige Präsident:Seit dem 1. Juli 2004 ist Dirk Zingler Präsident des 1. FC Union. Der Vereinschef hat den Klub bis in die Bundesliga geführt – Rückschläge wie den erstmaligen Abstieg in die Viertklassigkeit 2005 inklusive. Hartnäckig kämpft der Logistik-Unternehmer um den Fußball-Standort Alt…

Urs Fischer

Der Aufstiegsangler:Seine Bierduschen und Jubelstürme verdient sich der Schweizer Erfolgstrainer in Berlin allemal. Die Union-Fans erleben unter Fischer im Mai 2019 den größten Erfolg der 53-jährigen Vereinsgeschichte: Der Schweizer führt den Klub der Underdogs zum ersten Mal in seiner Geschichte in…

Werner Schwenzfeier

Der Pokalsieger:Werner ,,Schwenne" Schwenzfeier ist von 1954 – 1959 Spieler beim Union Vorgängerverein BSG Motor Oberschöneweide. Von 1965 bis 1969 ist er Trainer von Union Berlin. Ihm gelingt mit Union der Aufstieg in die DDR-Oberliga und 1968 der Sieg im FDGB-Pokalfinale gegen Carl Zeiss Jena. Wer…

FC Union Berlin
Abb.1.14.7 Uwe Neuhaus (links) und sein Assistent André Hofschneider (rechts) etablieren Union Berlin in der 2. Bundesliga. Foto: Imago Images/ Matthias Koch

Personae Non Gratae

Diese Typen sind unbeliebt

Erich Mielke

Die dunkle Seite der Macht:Als Anhänger und Unterstützer des BFC Dynamo ist Erich Mielke den Union-Fans nicht nur aus sportlicher Sicht ein Greul. Der seit jeher als absolutes Feindbild geltende BFC ist nicht nur DDR-Serienmeister, sondern auch Lieblingsverein des Stasi-Chefs, der für all das steht,…

Der unbekannte Whistleblower

Der Verräter:Im Juni 1993 gewinnt Union Berlin mit 2:1 gegen Tennis Borussia Berlin und leitet damit den sportlichen Aufstieg in die 2. Bundesliga ein – fast. Die „Eisernen“ planen nach einem 1:0-Sieg gegen Bischofswerda im Siegestaumel bereits ihre Zukunft als Profifußballmannschaft, als die „Bombe…

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Abb.1.14.8 Erich Mielke gratuliert dem DDR-Meister 1986/87 – „seinem“ BFC Dynamo Berlin. Foto: Imago Images/ Camera 4

Tragisch

Diese Personen hatten Pech

Reinhard Lauck – Der Alkohol:Der berühmteste Wanderer zwischen den Welten Union und BFC Dynamo ist der ehemalige DDR- Nationalverteidiger Reinhard Lauck. 1974, beim sensationellen 1:0 der DDR über den späteren Weltmeister BR Deutschland, degradiert Lauck Wolfgang Overath und Günter Netzer zu Statisten. Zwei Jahre später wird er in Montreal Olympiasieger. 21 Jahre später stirbt Lauck an den Folgen seiner Alkoholsucht. Seine Tragödie erzählt Alexander Osang in seiner „Ick bin doch Mäcki, kennste ma nich?“-Reportage auf eindringliche Art.

Günter „Jimmy“ Hoge – Angepasst ist anders:Günter „Jimmy“ Hoge ist der erste DDR-Nationalspieler von Union Berlin. Von 1958 – 1962 spielt er für den ASK Vorwärts Berlin, danach zieht es ihn von 1962 – 1964 zu BSG Motor Köpenick und von 1964 – 1966 zum TSC Berlin. Von 1966 – 1970 bestreitet er 77 Pflichtspiele für den 1. FC Union Berlin, schießt fünf Tore für die Köpenicker und wird zum Publikumsliebling. Hoge beendet seine fußballerische Karriere von 1970 – 1973 bei BSG Motor Hennigsdorf und ab 1973 bei IHB Berlin und Motor Friedrichshain. Der 169 Zentimeter kleine Stürmer spielt zwischen 1961 und 1968 sechsmal für die Nationalmannschaft der DDR. Das erste Länderspiel mit der DDR-Nationalmannschaft bestreitet er als Linksaußen am 21. Juni 1961 im Freundschaftsspiel DDR – Marokko (1:2). Nach dem folgenden Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiel DDR gegen Ungarn, welches die DDR mit 3:2 verliert, verschwindet Hoge für sechs Jahre aus dem Kader - trotz seiner allseits geschätzten sportlichen Leistungen. Vor allem in puncto Ballsicherheit, Dribbelstärke und Schnelligkeit ist Hoge einer der besten DDR-Spieler der 60-er Jahre. Doch „Jimmy“ ist auch ein eigenwilliger, unangepasster Typ, der bei Trainern und Funktionären aneckt und regelmäßig in Ungnade fällt. Im Juli 1962 wird er so zum - eine Klasse tiefer spielenden - DDR-Ligisten BSG Motor Köpenick „degradiert“. Seine erfolgreichste Phase erlebt er bei Union Berlin. Als Unioner schafft es Hoge zurück ins Nationalteam und bestreitet bis zu seinem letzten Länderspiel am 2. Februar 1968 gegen die Tschechoslowakei vier Spiele für die DDR-Auswahl. Exzellente Leistungen auf einer Südamerika-Reise der DDR-Mannschaft bringen ihm von der lokalen Presse den Spitznamen „motorneto“ („kleines Motorrad“) ein. Hoge ist Teil der Union-Mannschaft, die 1968 den FDGB-Pokal holt. Nach dem Triumph im Pokal scheint es, als ob sich die Karriere von Jimmy mit knapp 28 Jahren endlich in Richtung „DDR-Superstar“ entwickelt, da ist sie auch schon jäh vorbei. Aufgrund sogenannter „disziplinarischer Verfehlungen“ (z.B. Fahrens ohne Führerschein) wird Hoge vom DDR-Fußballverband „für die Zeit vom 17. Oktober 1968 bis 31. Mai 1969 für jeglichen Spiel- und Sportverkehr gesperrt“. Im offiziellen Beschluss heißt es, dass Hoge „wiederholt unter Alkoholeinfluss gestanden habe“ und „seine Mannschaftskameraden gröblichst beleidigt hätte“. In offiziellem „DDR-Sprech“ formuliert der DFV, Hoge sei nicht in der Lage, „sein Verhalten im Rahmen des Kollektivs und im üblichen Leben unserer Gesellschaft zu verankern“.

In der Saison 1969/70 hat es dennoch den Anschein, als habe Hoge die Sperre nicht weiter geschadet. Er gehört jedenfalls weiterhin zur ersten Mannschaft von Union und schafft mit dem Team den Aufstieg in die Oberliga. Doch im Sommer 1970 kommt es zum endgültigen Aus. Hoge erhält Berufsverbot - wegen des Singens eines Liedes – eines ganz speziellen Liedes. Das Team von Union fährt zum Abschluss der Saison an die Ostsee. „Feierbiest“ Hoge trifft sich dort in einer Gaststätte mit seinem ehemaligen Trainer Schwenzfeier und stimmt alkoholisiert bei der Fernsehübertragung eines Länderspiels der BRD-Nationalmannschaft das Deutschlandlied an. Der Vorfall wird der Staatssicherheit gemeldet. Die reagiert gereizt und sorgt dafür, dass der DDR-Fußballverband den damals fast 30-jährigen Spieler aus dem Spielbetrieb verbannt: Sechs Jahre Sperre für die Oberliga (höchste Spielklasse der DDR), zwei Jahre Sperre für die DDR-Liga (zweithöchste Spielklasse der DDR) und ein Jahr Sperre für die Bezirksliga (dritthöchste Klasse im DDR-Fußball). Die Fußballerkarriere von „Jimmy“ Hoge, der noch zwei Jahre zuvor Nationalspieler gewesen ist, ist vorbei. Jedenfalls die auf Top-Level. Auch nach der Wende ergeht es Jimmy nicht besonders gut. Mit Geld kann er eher schlecht umgehen, mit den Profimechanismen der neuen Zeit auch. Immer wieder unterstützen ihn alte Weggefährten und versuchen ihm Halt zu geben. Doch das gelingt nur mäßig. Seit 2003 ist Hoge Ehrenmitglied des 1. FC Union Berlin. Mit 77 Jahren stirbt Hoge an den Folgen einer Krebserkrankung. Unter anderen Umständen hätte Günter „Jimmy“ Hoge ein ganz Großer des deutschen Fußballs werden können. Das Talent hatte er jedenfalls.

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Abb.1.14.9 Union Fans Zum Gedenken an Reinhard Lauck. Foto: Imago Images/Matthias Koch

OMG — Oh My God

Das kann doch nicht wahr sein

Union Berlin und das Geld! Seit der deutschen Wiedervereinigung kämpft Union Berlin immer wieder mit finanziellen Problemen. Einmal kostet eine Mauschelei sogar den Aufstieg und irgendwann müssen Millionen aus der ,,Kinowelt“ her, um den Verein zu retten.Auf die treuen Fans können sich ,,die Eisernen“ jedoch auch in schlimmsten Krisenzeiten immer verlassen. Bis aufs Blut…

Der Mann mit dem Geldkoffer: Union bekommt im Januar 1998 einen prominenten Unterstützer. Der Karlsruher Medienunternehmer Dr. Michael Kölmel (,,Kinowelt“) hat es sich zur Aufgabe gemacht, finanziell leck geschlagenen Traditionsklubs zu helfen. Großzügig oder geschäftstüchtig? Das bleibt dem Betrachter überlassen. Insgesamt 65 Mio. Euro investiert er in verschiedene Fußballklubs, Union ist sein erster Patient. Als er mit Union-Präsident Heiner Bertram die Sanierung verkündet, hat der Berliner Klubchef Tränen in den Augen. Union wird dank Kölmel (,,Man muss bei der Sache einen langen Atem haben“) schuldenfrei, tritt seine TV-Rechte an Kölmel ab und leitet den Image-Wandel ein. Doch ist genau das passiert, was Nina Hagen in der Vereinshymne (,,Eisern Union“) bestreitet? ,,Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen? – Eisern Union!“ Oder doch…?

,,Bluten für Union“: Der Geldsegen des Dr. Kölmel versiegt zwischenzeitlich. Als der Verein 2005 in die Oberliga abstürzt, hat Kölmel seine Bewährungsstrafe wegen Insolvenzverschleppung schon erhalten… Union droht zum Ende der Saison 2003/04 schon wieder das Aus. Mit der Blutspende-Aktion ,,Bluten für Union“ im Mai und Juni 2004 sammeln die Fans Geld und tragen mit dazu bei, dass die kurzfristig fälligen 1,46 Mio. Euro zur Rettung zusammenkommen. Den Rest steuern Vereinschef Zingler, Kölmel und andere Sponsoren bei. Die Konsolidierung gelingt. Mit dem neuen Coach Christian Schreier gelingt der Wiederaufstieg in die Regionalliga.

Die gefälschte Bankbürgschaft: Der größte Finanz-Krimi um die Köpenicker spielt sich 1993 in der Hauptstadt ab. Sportlich ist Union Berlin ,,endlich“ für die 2. Bundesliga qualifiziert – 1:0 im Relegationsspiel gegen den Bischofswerdaer FV 08! Im Nachgang stellt sich heraus, dass die für die Lizenzierung notwendige Bank-Bürgschaft gefälscht ist. Am 2. Juli 1993 spricht der DFB die Zweitliga-Saison dem verhassten West-Berliner Rivalen Tennis Borussia Berlin zu. Wie der Berliner Tagesspiegel später berichtet, soll ein Mitarbeiter von Unions Hauptsponsor dem TeBe-Macher und Schlagerproduzenten Jack White (alias Horst Nußbaum) diese Information gesteckt haben. Jack White (,,Heute haun‘ wir auf die Pauke“) nimmt diese Info dankend auf. Dennoch lässt sich bis heute nicht final klären, wer diese Interna an den DFB weitergegeben hat. DER SPIEGEL sieht im Juli 1993 ,,ein Stück von Mielke“, eine Ost-Berliner Fußballposse, wie sie wahrscheinlich Stasi-Boss Erich Mielke nicht besser hätte inszenieren können: ,,Die Herren des Fußballvereins Union Berlin finden nur kurzfristig Trost und Halt in den 27 Versen, die ihnen ein „anonymer Volksdichter“ ans Schwarze Brett der Geschäftsstelle in Köpenick geschlagen hat. Wie in den besten Zeiten der friedlichen Revolution ist das ganze Elend des Ostens in Schüttelreime gefasst: „So oft ihr Jungs das Tor auch trefft – die Wessis machen das Geschäft!“ Wie auch immer: Am Ende der Saison 1993/94 wird Union Berlin erneut die Lizenz zur 2. Liga verweigert – an der ,,mangelnden Wirtschaftlichkeit“ hat sich nichts geändert. Ein Schuldenberg von 2,56 Mio. Euro lässt den DFB zurückschrecken. Die wertvollsten Spieler wie der spätere Vize-Weltmeister Marko Rehmer und der Bosnier Sergej Barbarez müssen verkauft werden, um nicht noch tiefer in die roten Zahlen zu rutschen. Trainer Frank Pagelsdorf verlässt Berlin, heuert bei Hansa Rostock an – und steigt mit den Mecklenburgern in die Bundesliga auf…

Tief in der Patsche – Der Skandalprofi: Kein anderer Spieler hat den 1. FC Union mehr genervt als Nico ,,Patsche“ Patschinski. Der gebürtige Ost-Berliner hat offenbar in seiner Zeit bei den ,,Eisernen“ ab 2006 und möglicherweise auch sonst eine eher eigenwillige Beziehung zum Geld. „Was ich mit meiner Kohle mache, ist mein Ding. Ob ich mir damit den Arsch abwische, es verspiele oder verbrenne. Es ist ja nur Geld“, entgegnet er den Kritikern, die ihn spätestens seit 2007 als spielsüchtig ansehen. Patschinski, mit 10.000 Euro monatlich Spitzenverdiener an der Wuhlheide, wäre nicht Patschinski, wenn er diese Problematik nicht herunterspielen würde.“ Unions Sportdirektor Christian Beeck meint 2007, ich sei spielsüchtig und krank, brächte meine Leistung nicht. Ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt schon in allen Spielbanken sperren lassen, da ich zu viel verloren hatte, ich war damals nicht spielsüchtig und bin es auch heute nicht. Ich habe nur ein bisschen Karten gespielt und gewettet“, sagt er im März 2016 dem Berliner Kurier. Dass er an einem Benefiz-Pokerturnier des verhassten Ost-Berliner Rivalen BFC Dynamo teilnimmt, bringt ihm eine Abmahnung und 5.000 Euro Strafe. Anti-Union-Parolen und eine wilde Party-Nacht mit Dynamo reichen den Verantwortlichen, um Patschinski fristlos und wegen „vereinsschädigenden Verhaltens“ zu kündigen. Als der Vertrag im Juli 2009 schließlich nach langem Hin- und Her aufgelöst wird und rund 130.000 Euro Abfindung fällig sind, atmet Unions Präsident Dirk Zingler auf: „Wir sind froh, dass dieses Kapitel beendet ist.“

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Abb.1.14.10 Ziemlich unbeliebt bei einigen „seiner“ Traditionsvereine, doch hochgradig beliebt bei Union Berlin. Ohne Michael Kölmel würde es den Verein heute in einer der Bundesligen wohl nicht geben. Foto: Imago Images/ Matthias Koch

,,Prager Frühling“ verhindert die Europa-Premiere: Irgendwie hat Union früher immer Pech. Dem legendären DDR-Pokalsieg soll 1968 endlich die Europapokal-Premiere folgen. Dann kommt die militärische Niederschlagung des ,,Prager Frühlings“ den ,,Schlosserjungs“, wie die Union-Spieler auch genannt werden, zuvor. Die Europacup-Auslosung gegen den jugoslawischen Klub FC Bor wird annulliert und als die West-Klubs darauf drängen, neu auszulosen, liegt der Jaschin-Klub Dynamo Moskau für die Berliner in der Lostrommel. Jetzt aber haben die osteuropäischen Vereine keine Lust mehr und nehmen ihre Mannschaften aus dem Wettbewerb – auch die DDR zieht mit. ,,Das war natürlich eine Riesen-Enttäuschung“, erinnert sich Werner Schwenzfeier (1925 – 1995) später, ,,die 15.000 Eintrittskarten reichten bei Union drei Jahre lang als Schmierzettel.“

Fun Facts

Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisseurs

Dass der 1. FC Union Berlin 2001 im DFB-Pokalfinale steht und dass das Maskottchen ,,Ritter Keule“ den Morgenstern bei jedem Heimspiel schwingt – das ist in Fußball-Deutschland relativ bekannt.Aber es gibt rund um ,,die Eisernen“ jede Menge Fun Facts der besonderen und eher unbekannteren Art.

Das Weihnachtssingen: Es ist ein ,,Union-Klassiker“, der inzwischen von etlichen Vereinen kopiert wird. Seit 2003 halb legal, seit 2005 offiziell, treffen sich kurz vor Weihnachten knapp 30.000 Menschen im Stadion an der Alten Försterei zum inzwischen traditionellen Weihnachtssingen – Glühwein inklusive. Pfarrer Kastner erzählt als Nachfolger von Pfarrer Müller die Weihnachtsgeschichte, der Chor des Emmy-Noether-Gymnasiums gibt Tonart und Takt vor und eine kleine Bläsergruppe sorgt für festlich-fröhliche Klänge. Liederbuch und Kerze gibt es gratis – „eine kleine Spende für die Nachwuchsarbeit des Vereins ist jedoch immer willkommen“, heißt es dazu auf der Homepage von Union.

Der erste Europacup-Torschütze von Union Berlin heißt Sreto Ristic: Der ehemalige Stuttgarter, der in 47 BL-Spielen zwischen 1996 und 2000 für den VfB fünf Tore erzielt, trifft am 20. September 2001 beim 1:1 beim FC Haka in Finnland.Das lohnt sich doppelt für ihn, denn er hat eine Torprämie im Vertrag.Im Rückspiel sorgen Bozidar Djurkovic, Ferdinand Chifon und Hristo Koilow für die Tore der Unioner. Es sind bis heute die letzten Europacup-Treffer für den Ost-Berliner Klub.

Größtes ,,echtes Fußballstadion“ Berlins: Die 2008/09 und 2012/13 komplett umgebaute Alte Försterei ist mit einem Fassungsvermögen von 22.012 Zuschauern das größte, reine Fußballstadion in der Bundeshauptstadt (Stand: Dezember 2019).

They called them Sebastian: Die FCU-Stürmer Sebastian Andersson und Sebastian Polter sind mit zwölf bzw. neun Toren die erfolgreichsten Schützen in der Aufstiegs-Saison zur Bundesliga 2018/2019.

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Abb.1.14.11 Ziemlich beliebt und erfolgreich bei Union Berlin: Frank Pagelsdorf. Foto: Imago Images/ Camera 4, Infografik by Ligalive, Infografik erstellt von Andjela Jankovic im Auftrag von Closelook Venture GmbH

Top-Torhüter: Rafal Gikiewicz - Goalie Nummer 1 beim 1. FC Union Berlin - ist mit einem Kicker-Notenschnitt von 2,68 bester Keeper der 2. Bundesliga-Saison 2018/19.

Rekord-Torschützen: Der Deutsch-Algerier Karim Benyamina ist mit 87 Pflichtspiel-Toren bei 213 Einsätzen der erfolgreichste Torschütze von Union. Ihm folgen Torsten ,,Tusche“ Mattuschka mit 70 Treffern aus 299 Pflichtspielen und der Brasilianer Daniel ,,Texas“ Teixeira, der in 78 Spielen 67-mal trifft (Stand: Dezember 2019).

Zuschauer-Rekord: Zweimal mehr als 74.000 Zuschauer in den Berlin-Derbys gegen die Hertha bedeuten bis zum Bundesliga-Spiel bei Bayern München am 26. Oktober 2019 (75.000 Besucher) Rekord für Union Berlin in einem Liga-Spiel.

Rekord-Transfer: Teuerster Abgang aller Zeiten (Stand: Dezember 2019) bei Union Berlin ist laut Transfermarkt.de Bobby Wood. Der Hamburger SV zahlt für den US-amerikanischen Stürmer 2016 die klubinterne Rekord-Summe von vier Millionen Euro. Damals richtig viel Geld in Köpenick.

Special Moments

Pokalsieger! Doch dann kommt das Verbot

Am 9. Juni 1968 ereignet sich im Kurt-Wabbel-Stadion von Halle eine der größten Sensationen des DDR-Fußballs. 13.000 Zuschauer sind Zeuge, als der frischgebackene Meister FC Carl Zeiss Jena eine Woche nach dem Saisonende im 17. FDGB-Pokalfinale als haushoher Favorit auf den Underdog aus Köpenick, den 1. FC Union Berlin trifft. Die Berliner sind in der Meisterschaft mit 14 Zählern Rückstand auf Jena auf Rang acht eingelaufen. Im Saisonverlauf bezwingt Jena die Unioner zu Hause mit 3:0. In Berlin gibt es eine Nulldiät.

Fast alles spricht für Jena, für die es bereits die dritte Finalteilnahme im FDGB-Pokal ist. Wenig spricht für die Unioner, die ihr erstes FDGB-Endspiel bestreiten. Der FC Carl Zeiss ist besonders motiviert, kann er doch als erste Mannschaft der DDR das Double holen und in einer Saison Meister und Pokalsieger werden. „Der Ehrgeiz unseres Partners, erstmalig das Double erreichen zu wollen, erleichtert unsere Aufgabe nicht“, wird Union-Trainer Werner Schwenzfeier in der „Neuen Fußballwoche“ zitiert.

Doch vielleicht nehmen die Thüringer das letzte Saisonspiel doch nicht sonderlich ernst. Schließlich reist die Mannschaft schon zwei Stunden nach dem Abpfiff direkt nach Kölpinsee auf die Ostsee-Insel Usedom weiter, wo die Familienangehörigen seit Tagen versammelt sind. Eine Verlängerung oder gar eine Niederlage ist nicht eingeplant.

Doch als Schiedsrichter Rudi Glöckner das Finale abpfeift, reißen die Spieler des Underdogs aus Köpenick die Arme hoch. Hochverdient bezwingen sie den Goliath aus Jena mit 2:1 (1:1). „Das Pokalfinale war leider unser schlechtestes Spiel in dieser Saison. Die Favoritenrolle haben wir nicht vertragen“, erklärt Zeiss-Trainer Georg Buschner. „Hinzu kam das Blitztor für uns nach 30 Sekunden. So kurios es klingen mag, es war Gift für unsere Mannschaft.“

Das 1:0 von Werner Krauß ist fast die einzige Szene, die für den Meister planmäßig verläuft. Union überrascht allein schon mit der Aufstellung des jungen Defensivspielers Reinhard Lauck, der 21 Tage zuvor am letzten Spieltag der DDR-Liga noch für Energie Cottbus bei Vorwärts Stralsund (1:1) kickt. Im Viertelfinale im Frühjahr 1968 ist Lauck sogar noch gegen Union im Einsatz. 1:1 heißt es in Cottbus. Das Wiederholungsspiel gewinnen die Eisernen mit 1:0. Lauck ist eigentlich ein Neuzugang für die Saison 1968/69. Dass er schon im Finale der vorhergehenden Spielzeit mitwirkt, gehört zu den Kuriositäten des DDR-Fußballs.

Im Endspiel macht der relativ schnelle Handelfmeter-Ausgleich durch Meinhard Uentz nach 29 Minuten dem Außenseiter Mut, der selbst im Falle einer Niederlage für den Europa-Pokal qualifiziert ist. „Von der spielerischen Leistung unserer Elf war der FC Carl Zeiss Jena sichtlich überrascht“, erzählt Union-Kapitän Ulrich Prüfke später der „Neuen Fußballwoche“. Sein Trainer Werner Schwenzfeier geht noch weiter: „Wir beherrschten den Meister schon vor der Pause mit den besseren spielerischen Mitteln, nach dem Wechsel blieben wir durch unsere typischen Konterschläge immer gefährlich.“

Ralf Quest gelingt nach 63 Minuten der Treffer zum 2:1. Hinten lässt Torhüter Rainer Ignaczak fortan keinen weiteren Gegentreffer mehr zu. Die mehr als 1.000 Union-Fans, die mit Autos und einem Sonderzug angereist sind, schwenken begeistert ihre Fahnen. Auch die Zeitungen würdigen die Sensation. „Krönender Abschluss einer erfolgreichen Saison“, lautet die Schlagzeile der „Berliner Zeitung“. „Kein Traum: Union ist Pokalsieger“, steht auf der Seite 1 der Beilage zum „Berliner Fußball“ der „Neuen Fußballwoche.“

Oberbürgermeister Herbert Fechner überreicht den Spielern einen Tag nach dem Finale im Roten Rathaus jeweils eine Plakette aus Meißner Porzellan mit der Abbildung des Roten Rathauses. „Wir trugen uns ins ‚Goldene‘ Buch der Stadt ein. Dann hat uns der Oberbürgermeister ans Fenster gebeten“, erinnert sich der damalige 2. Clubsekretär Günter Mielis. „Vor dem Roten Rathaus erwartete uns ein neuer Reisebus. In großen Lettern leuchtete uns der Schriftzug 1. FC Union Berlin entgegen.“

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Abb.1.14.12 FDGB Pokalsieger 1968: Das siegreiche Team von Union Berlin. Foto: Imago Images/ Werner Schulze

Im Europacup spielt Union dennoch nicht, obwohl den Köpenickern am 10. Juli 1968 in Genf für die 1. Runde des Pokalsieger-Wettbewerbes der jugoslawische Vertreter FK Bor zugelost wird. Die dunklen Wolken ziehen in der Nacht zum 21. August 1968 auf. Rund 500.000 Soldaten aus der Sowjetunion, Polen, Ungarn und Bulgarien rücken in die reformwillige CSSR ein. Der „Prager Frühling“ wird mit Waffengewalt beendet. Anfang September 1968 erreicht die politische Krise auch die UEFA.

Der AC Mailand, FC Zürich und Celtic Glasgow weigern sich, wegen des Einmarsches der Truppen des Warschauer Paktes in Prag gegen die ihnen zunächst zugelosten sozialistischen Vertreter Lewski Sofia, Dynamo Kiew und Ferencváros Budapest im Landesmeister-Cup anzutreten. Das Dringlichkeits-Komitee der UEFA sieht sich deshalb sowohl im Landesmeister- als auch im Pokalsieger-Wettbewerb zu einer Reihe von (satzungswidrigen) Neuauslosungen veranlasst.

In der ersten Runde sollen ost- und westeuropäische Vereine unter sich bleiben. Meister Jena behält sein Los Roter Stern Belgrad, Pokalsieger Union soll es nun mit Dynamo Moskau zu tun bekommen. Nun protestieren neben dem Deutschen Fußball Verband (DFV) der DDR auch die Fußball-Verbände der UdSSR, Ungarns, Polens, Bulgariens und Frankreichs gegen die Neuauslosung. Da die UEFA bei einer weiteren Abstimmung am 9. September 1968 bei ihren veränderten Ansetzungen bleibt, droht das Präsidium des DFV der DDR am 13. September 1968 in einem Telegramm mit dem Rückzug von Jena und Union. Da eine weitere Reaktion der UEFA ausbleibt, ist der Boykott der DDR-Vertreter perfekt. Auch die Vereine aus der Sowjetunion, Ungarn, Polen und Bulgarien treten nicht mit ihren Meistern und Pokalsiegern an.

Der Sieg gegen Jena bleibt trotz dieses wunden Punktes speziell. Die Bedeutung des Triumphes ist umso höher einzuschätzen, als es bis zum Jahr 2019 der einzige nationale Titel ist, den Union Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg gewinnt. In den Tagen vor dem DFB-Pokalfinale 2001 zwischen Schalke 04 und Union (2:0) sagt der damalige Union-Präsident Heiner Bertram, dass beim Blick in die Union-Vergangenheit das Jahr 1968 die „einzig positive Ausnahme“ sei.

Weise Worte

Zitate für die Ewigkeit

„Der Balken muss glühen.“ Unions Kult-Trainer Werner ,,Schwenne"

Schwenzfeier über sein Erfolgsgeheimnis.

„Die Mauer muss weg!“ Fan(s) von Union Berlin

zu DDR-Zeiten bei Freistößen

„Eisern Union spielt nur noch Blech.“ B.Z.

Zeitung

„Die süßen Ossis sind aufgestiegen.“ ZEIT

Wochenzeitung

„Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen?“ Eisern Union, Eisern Union! Vereinslied Union Berlin

Nina Hagen
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Andere Vereine

Triumphe, Tragödien, Erfolge und Peinlichkeiten

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Über dieses Projekt

„AKTE UNION" ist ein Dossier über FC Union Berlin. Ziemlich ungerecht, bewusst einseitig — aber mit viel Liebe zum Detail und dem nötigen Respekt.

Teil der Akte Bundesliga-Serie — 18 Club-Dossiers über die Bundesliga-Vereine.

Autoren: Carsten Germann, Thomas Look & Udo Muras
Redaktion: Bilder: Imago Images
Produktion: Marcus Brauer, Denis Tuksar